Schloss-Serenade: Feuerwehr- und Stadtkapelle bot den unvergesslichen Sound der böhmischen Blasmusik

Viel Applaus für genussreichen Konzertabend

Ganz im Zeichen böhmischer Blasmusik stand die Schloss-Serenade der Feuerwehr- und Stadtkapelle, die am Samstagabend im voll besetzten Schlossgraben des Adelsheimer Unterschlosses stattfand. © Klotz

 

Sternstunden der Volksmusik erlebten die Besucher bei der traditionellen Schloss-Serenade der Feuerwehr- und Stadtkapelle am Samstagabend im Schlossgraben des Unterschlosses.

Adelsheim. Voll auf ihre Kosten kamen die Freunde traditioneller Blasmusik beim rund eineinhalbstündigen Musikfeuerwerk unter der Leitung und der gekonnten Moderation von Steffen Siegert.
"Volksmusik - The Sound of zuhause, Teil 1", so lautete der Titel der diesjährigen, etwas anderen Serenade, einem volkstümlichen Doppelkonzert, das die Kapelle mit sich selbst spielte.

Der erste Teil hatte die volkstümliche Musik Böhmens im Fokus, der zweite Teil folgt am Samstag, 7. Dezember, im Rahmen des Jahreskonzertes in der Eckenberghalle. Hier befasst sich die Kapelle mit der Volksmusik aus Japan, Kuba und anderen Ländern.

Auch in Oettingen zu hören

Den Auftakt des Konzertabends bildete der Konzertmarsch "Salemonia" von Kurt Gäble, der für das Schlossfest der Salemer Musikvereine geschrieben wurde. Einstudiert und aufgeführt wurde das Werk auch kürzlich für die Hochzeit von Cleopatra von Adelsheim und Franz Albrecht zu Oettingen-Spielberg. Ganz im Zeichen Böhmens stand die Dekoration im Schlossgraben, und böhmisch ging auch die Musik weiter. Davor jedoch gab es für die Besucher eine "Lektion", wie sich böhmische Blasmusik aufbaut. Zunächst stimmten die Rhythmus- und Begleitinstrumente wie Tuba, Schlagzeug, Hörner und Posaunen ein. Dazu kam ein bisschen Verzierung von den Holzblasinstrumenten und einige Signale der Trompeten. Schließlich folgte die Melodie, die sich meist im Wechsel zwischen den Flügelhörnern und dem Tenorhorn/Bariton widerspiegelt. Und fertig war die Vorbereitung für "B wie Böhmisch" von Michael Kuhn, der die Nachfolge des unvergessenen Ernst Mosch antrat und sein Erbe weiterführt, wobei sich Stil und Sound längst über das Egerland hinaus verbreitet haben.

Volkstümlich ging es weiter mit "Horch was kommt von draußen rein" in einer Bearbeitung von Michael Klostermann. Gut hörbar war hier das für diese Art der Musik typische Solo in den Bassinstrumenten.

Nach zwei Polkas folgte der Marsch "Sternstunden" des Ausnahmemusikers und Komponisten Guido Henn sowie "Ein Denkmal für die Blasmusik" vom bekannten Polka-Komponisten Michael Kuhn.

Dass es bei böhmischer Blasmusik nicht nur böhmisch, sondern auch sinfonisch zugehen kann, bewiesen die Musiker bei "Böhmische Skizzen" von Josef Jiskra, der dieses Stück als Hommage an seine Heimat, basierend auf dem Volkslied "Holka modrooka - Mädchen mit den blauen Äuglein" schrieb. Dass er dabei im Eingang Polkastimmung aufkommen ließ, ist legitim und eigenständig, fernab gängiger Folkloreklischees. Denn dann öffnete sich gleichsam Böhmens Seele mit Gefühlstiefe und oft auch Schwermut. Aber nicht resignierendes Zurückschauen gewann Raum. Das bewegte Thema lenkte den Blick auf tatenfrohe Gegenwart und zu meisternde Zukunft. Wofür auch das gefällige Walzerthema als Beispiel gelten kann, das in ein klangmächtiges Finale von besonderer Schönheit und Feierlichkeit mündete. Jiskra verband Marsch, Polka, Walzer und Hymne in einem Stück.

Nach der "Musikantensehnsucht", dem Höhepunkt des Schaffens von Guido Henn, folgten drei Solostücke, denn volkstümliche Musik kann mehr, als Marsch, Polka und Walzer. Den Auftakt bildete Sebastian Zemke an der Trompete, dem Signalgeberinstrument im Orchester, mit dem Stück "Polka für Trompete". Weitere Soli brachten gekonnt Katharina Eibner mit "Piccolo Kapriolen" und Sebastian Schwenk sowie Willi Zemke mit "Fröhliche Tenoristen" zu Gehör.

Als Hommage an den Komponisten Jaroslav Zeman, einem Repräsentanten der böhmischen Blasmusik, spielte die Kapelle "Prager Gassen". Böhmische Blasmusik zeichnet sich durch ihre besondere Besetzung aus: Schlagzeug, Tuben, Waldhörner und Posaunen als Lokomotive für den richtigen Rhythmus und das richtige Timing.

"Zwitschernde Vögelchen"

Flügelhorn, Tenorhorn und Bariton als Melodiebläser, Klarinetten als "zwitschernde Vögelchen" mit schönen Umspielungen, ab und an unterstützt durch eine Flöte und die Trompeten als Signalgeber.

Flöten und Saxofone sind eigentlich nicht Teil der volkstümlichen Besetzungen. Dass aber gerade diese Instrumente einen besonderen Klang zu dieser Musik beisteuern, zeigte die folgende "Rosamunde" in einer Bearbeitung von Karel Belohoubek.

Schließlich verabschiedete sich die Stadtkapelle mit der Polka "Von Freund zu Freund" aus der Feder von Martin Scharnagel. Die wunderschöne und schlichte Einleitung, rhythmische Passagen und eine lyrische Triomelodie, die unter die Haut gingen und im Ohr blieben, zeichneten diese Polka aus.

Langanhaltender Applaus nach einem außergewöhnlichen und genussreichen Konzertabend waren das Ergebnis. Natürlich durfte die Kapelle nicht ohne Zugabe von der Bühne. Noch einmal spielte sie voller Leidenschaft den "Fliegermarsch" des Komponisten Hermann Dostal, bevor sich Musiker und Zuhörer im Schlosshof zum gemütlichen Beisammensein einfanden. eve

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 26.07.2016